{"id":519,"date":"2008-04-16T23:33:00","date_gmt":"2008-04-16T22:33:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/kawagutchiko\/"},"modified":"2008-04-16T23:33:00","modified_gmt":"2008-04-16T22:33:00","slug":"kawagutchiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/?p=519","title":{"rendered":"Kawagutchiko"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size:85%; font-family:arial;\"><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Last_view-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Last_view-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5189975167385878258\" \/><\/a><br \/><i>Ein letzter Ausblick von unserem Appartement in Tokio.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Wir h\u00e4tten uns kaum einen drastischeren Bruch mit dem lauten Stadtleben von Tokyo aussuchen k\u00f6nnen als Kawagutchiko:<br \/>Wir stiegen aus dem winzigen Bummelzug aus, der 2 Stunden lang alle gef\u00fchlten 50 Meter an einem mikroskopischen Bahnsteig anhielt, um eine Ladung Schulkinder aus- eine andere Landung Sch\u00fcler einzuladen und ein kleines S\u00e4ckchen mit Post einzusammeln. Die Luft war herrlich frisch, die Sonne strahlte h\u00f6chst motiviert, und gerade als sich die Bergidylle \u00fcber uns senken wollte, h\u00f6rten wir unsere Nemesis: Die Ampel am Bahnhofsplatz von Kawagutchiko. Irgendein sicherlich hoch dekorierter Japaner ist auf die Idee gekommen, die Rot und Gr\u00fcn Phasen mit einer Erkennungsmelodie zu untermalen. Das Resultat: Man stelle sich einen uralten Gameboy von Nintendo vor, den man an zwei dicke Verst\u00e4rker geh\u00e4ngt hat. Das Ergebnis sind zwei einpr\u00e4gsame Piepston Orgien, die sich im 30 Sekunden Takt abwechseln.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Kawagutchiko_Station-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Kawagutchiko_Station-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5189975167385878274\" \/><\/a><br \/><i>Der malerische Bahnhof von Kawagutchiko. Gute Nacht, Hase. Gute Nacht, Fuchs.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Unter dem &quot;T\u00fct t\u00fc t\u00fct tut t\u00fcd\u00fcdeld\u00fc t\u00fcdeld\u00fcd\u00fc t\u00fcd\u00fcdeld\u00fc&quot; der Ampel schleiften wir unsere schweren Rucks\u00e4cke zur Tourist Information, wo wir uns nach einer \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit erkundigten. Nat\u00fcrlich gibt es nur zwei grunds\u00e4tzliche Varianten: richtig teuer (um die 230-350? die Nacht) oder sehr preisg\u00fcnstig. In Anbetracht der nicht ganz so prallen Kampfkasse meiner mitreisenden Freunde wurde die Jugendherberge gew\u00e4hlt.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Eingang_JH-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Eingang_JH-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5189975171680845586\" \/><\/a><br \/><i>Die belebte Eingangshalle der Jugendherberge von Kawagutchiko &#8211; Erst um 21:00 trafen alle ein.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Diese war beim Eintreffen ebenso menschenleer wie der gesamte Ort. H\u00e4tten wir unsere Reisef\u00fchrer etwas kritischer gelesen, w\u00e4re uns schon vorher klar gewesen, das wir in genau den 4 Wochen zwischen dem Ende der Kirschbl\u00fcte und dem Anfang der Fuji Wandersaison liegen. Da die Herberge stockdunkel war, betraten wir z\u00f6gerlich das Foyer und riefen ein paar mal &quot;Hello?&quot; &quot;Konitchiwa?&quot;. Irgendwann ert\u00f6nte ein schl\u00fcrfendes Ger\u00e4usch und eine uralte Oba-san (Gro\u00dfm\u00fctterchen) begr\u00fc\u00dfte uns mit einem zahnlosen Grinsen. Da das Uni-Japanisch ihrem fiesen Gebirgsdialekt nicht gewachsen war, holte sie ihren nicht minder alten Gatten herbei, der zielstrebig die wichtigsten Schl\u00fcsselw\u00f6rter &quot;Member?&quot; &quot;Reservation&quot; etc. heraus bellte. Generell werde ich nach diesem Urlaub jeden Spieleabend mit Pantomime dominieren, da ich hier meistens den Tanz der Tausend H\u00e4nde auff\u00fchre, um aus meinem quasi nicht vorhandenen Japanisch und dem sehr schlechten Englisch der Japaner eine zielgerichtete Unterhaltung zu erstellen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Guckstu-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Guckstu-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5189975171680845602\" \/><\/a><br \/><i>Noch nie in einer Jugendherberge gewesen? Ich bin tats\u00e4chlich der einzige JH Veteran in unserem Trio.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Das ist \u00fcbrigens sehr lustig: Alle Japaner haben mehrere Jahre Englisch an der Schule, der Unterricht dort basiert aber rein auf B\u00fcchern. Deswegen verstehen die meisten Japaner geschriebenes Englisch gut, gesprochenes hingegen gar nicht. Ich habe mir schon \u00fcberlegt, bestimmte wiederverwendbare Gespr\u00e4chsbausteine auf Karteikarten zu schreiben, um sie den Leuten dann hin zu halten. Wenn man den Fehler begeht, es gleich auf Japanisch zu versuchen, gibt es auch hier kein Mittelma\u00df: Wer Konitchiwa sagen kann, versteht auch einen zwei min\u00fctigen Monolog in Maschinengewehrjapanisch. Ich liebe diese Menschen! Der japanische Drang zu Extremen ist etwas, worunter ich mitunter auch neige, und hier ist es ganz allt\u00e4glich. Hier wird sehr gern einem Ausrufezeichen noch ein zweites, drittes oder viertes spendiert. Ach und am besten zwei Meter gro\u00df!! In Pink!!! Und blinkend!!!!<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/5_Shy_Mountain-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/5_Shy_Mountain-450x192.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5189975180270780210\" \/><\/a><br \/><i>Sehr bescheiden: Der Fuji ist der sch\u00fcchternste Berg der Welt. Dieses possierliche Felsmassiv versteckt sich gerne hinter Nebel, Wolken oder Stromkabeln und ern\u00e4hrt sich von unvorsichtigen Touristen. Zur Paarungszeit markiert er sein Revier mit Seen aus fl\u00fcssigem Gestein.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Nachdem wir den Basispreis f\u00fcr die Betten gel\u00f6hnt hatten, erkundigten wir uns nach den im Internet angepriesenen Zusatzleistungen : &quot;Breakfast?&quot; Stirnrunzeln, Grinsen, bed\u00e4chtiges Kopfsch\u00fctteln. &quot;Aaaaah hai, so desu ka. No bleckfast.&quot; &quot;Dinner?&quot; Verst\u00e4ndnisvolles Nicken &quot;Hai, Dinnel! You like dinnel?&quot; Wir nicken eifrig. &quot;Ah, so desu ka! We no dinnel, sumimasen&quot;  Letzten Endes gaben wir uns geschlagen und gingen im einzig offenen Restaurant vor Ort, ein Inder, zum Abendessen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/6_Lake_Kawagutchiko_Night-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/6_Lake_Kawagutchiko_Night-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5189975987724631874\" \/><\/a><br \/><i>Lake Kawagutchiko. Einer der f\u00fcnf Seen, die sich im Norden an den Fuji schmiegen.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Dort waren wir die gro\u00dfe Attraktion. W\u00e4hrend Ich mir eine kleine Portion Curry bestellte, orderten Max und Andi zwei gro\u00dfe Men\u00fcs. Obwohl sich die Japaner an den anderen Tischen gro\u00dfe M\u00fche gaben, nicht aufzufallen, starrten sie immer wieder fassungslos an unseren Tisch, wenn f\u00fcr die hungrigen Gaijin die n\u00e4chste Platte aufgefahren wurde. Als wir schlie\u00dflich noch einen zweiten Tisch brauchten, um alles unter zu kriegen, brach gro\u00dfes Gel\u00e4chter im Lokal aus.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/7_BigMeal-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/7_BigMeal-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5189975992019599186\" \/><\/a><br \/><i>Ein zweiter Tisch zum Auslagern f\u00fcr nur drei Gaijin: So was lieben die Japaner!<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Da in unserer Herberge bereits um 2100 Zapfenstreich ist, fiel der erste Tag etwas k\u00fcrzer aus als geplant, aber dieses skurrile alte Ehepaar war es Wert. Da verzeiht  man auch die h\u00f6flichen, ruhigen Westler-Touristen, die bis drei Uhr Morgens zumindest dem L\u00e4rmpegel nach mit Tischen geworfen haben und die T\u00fcren nicht einfach schlie\u00dfen konnten, sondern durch heftiges in-die-Angeln-schmettern zumindest mehrfachen versuchten Portalmord begangen haben. Aber gut &#8211; in welcher Jugendherberge ist das nicht so?<\/div>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein letzter Ausblick von unserem Appartement in Tokio. 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