{"id":514,"date":"2008-04-24T11:02:00","date_gmt":"2008-04-24T10:02:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/mitten-im-nirgendwo\/"},"modified":"2008-04-24T11:02:00","modified_gmt":"2008-04-24T10:02:00","slug":"mitten-im-nirgendwo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/?p=514","title":{"rendered":"Mitten im Nirgendwo"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size:85%; font-family:arial;\"><\/p>\n<div align=\"justify\">Nach einem weiteren stressigen Sightseeing Tag (langsam habe selbst ich genug Tempel und Pal\u00e4ste gesehen) haben wir heute unser wohl absolutes Japan-Highlight: Eine \u00dcbernachtung in einem traditionellen Onsen. Im Endeffekt ist es auch ein Ryokan, also eine japanische Herberge, nur mit wesentlich edlerem Ambiente und einer perfekten Badelandschaft.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Onsen_Overview-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Onsen_Overview-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5192750290355125522\" \/><\/a><br \/><i>Das Onsen bei Tag. So abgelegen, dass dies die einzigen Geb\u00e4ude in 100km Umkreis sind.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Ganz zu Anfang begannen wir leichte Zweifel zu hegen, da sich die Anreise als ausgesprochen schwierig erwies. Unser erw\u00e4hltes Hotel, das Onsen Lampyoda, liegt wirklich am aller\u00e4u\u00dfersten n\u00f6rdlichen Zipfel des japanischen Festlandes. Bereits gute 120 Kilometer vom Hotel entfernt endet die letzte Zugstrecke, und die folgenden Busstrecken werden nur zweimal t\u00e4glich befahren. Allein die Planung der Route nahm drei Angestellte der Tourist-Information von Kamazawa eine dreiviertel Stunde lang in Anspruch, und bei optimaler Nutzung der Verbindungen war die Anreisezeit von 08:00 Uhr Morgens bis 18:30 Abends gewaltig. Da dieses Onsen wirklich ein absoluter H\u00f6hepunkt f\u00fcr uns ist, beschlossen wir dann kurzfristig, doch ein Taxi zu nehmen. Dies erwies sich im Nachhinein als doppelter Gl\u00fccksgriff: Zum einen schaltete der Taxifahrer nach der halben Strecke den Taxameter ab, und zum anderen trafen wir am Parkplatz auf ein \u00e4lteres japanisches Ehepaar, die darauf bestanden, uns Morgen fr\u00fch umsonst zum n\u00e4chsten Bahnhof mit zu nehmen.<br \/>Tja und da standen wir nun: Die salzige Meeresluft f\u00fcllte unsere Lungen, die Bl\u00e4tter der B\u00e4ume raschelten in der Brise, und die schrillen Rufe von zwei Seeadlern ert\u00f6nten gelegentlich \u00fcber dem Rauschen der Brandung. Das Hotel selbst liegt v\u00f6llig abgelegen, und bis auf die kleinen Geb\u00e4ude des Onsen sieht man weithin nur die zerfkl\u00fcftete K\u00fcstenlandschaft. Die gesamte Anlage verf\u00fcgt nur \u00fcber 12 Zimmer, die alle ein privates Bad auf dem Balkon haben. Dort kann man sich mit Blick aufs Meer in dem leicht schwefeligen Vulkanwasser kochen lassen. Nat\u00fcrlich gibt es auch einen gro\u00dfen zentralen Bereich. Dort sind mehrere Becken in die Felsen der K\u00fcste eingebettet. Man sitzt in diesen Felsnischen in hei\u00dfem Wasser, das von unterirdischen Quellen direkt in die Becken gepumpt wird, w\u00e4hrend die Brandung des Ozeans nur wenige Meter entfernt von einem gegen die K\u00fcste schwappt. Neben der traumhaften Aussicht kann man auch die Seeadler beobachten, die elegant am Himmel schweben, um blitzschnell nach unten zu sto\u00dfen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Room-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Room-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5192750294650092834\" \/><\/a><br \/><i>Die klassisch japanischen Zimmer zeichnen sich durch einen hohen Wohlf\u00fchl- und Erholungsfaktor aus.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Entsprechend dem hohen Niveau der Becken ist auch unser Zimmer ein paar Klassen \u00fcber dem, was wir normalerweise als Unterkunft nutzen. Der riesige Raum ist schlicht, aber elegant eingerichtet. In der Mitte des mit Tatami-Matten ausgelegten Raumes befindet sich ein nach Holz duftender Tisch, auf dem in einer gro\u00dfen Lack-Dose das Teeservice steht. Als Sitzgelegenheit dienen drei Bodenst\u00fchle, auf denen man sehr bequem sitzt. <br \/>Vom Tisch hat man direkten Ausblick aufs Meer, und ich schreibe hier gerade bei einer hei\u00dfen Tasse Tee, vom Wasser der Quelle wunderbar entspannt und in den samtweichen Kimono geh\u00fcllt, der einem ebenfalls gestellt wird. Das ist einer der Momente, der niemals vor\u00fcbergehen sollte, und er wird gottseidank nur von unserem Abendessen unterbrochen, bevor es in unser Becken am Balkon geht.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Relaxing_on_Balcony-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Relaxing_on_Balcony-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5192750298945060146\" \/><\/a><br \/><i>Ruhepause vor dem Essen. Die Kimonos sorgen f\u00fcr die richtige Atmosph\u00e4re.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Das Essen hat sich als vollwertiges Kaiseki herausgestellt, und war wieder einmal ein Hochgenu\u00df f\u00fcr Augen wie Gaumen. Wenn man \u00fcberhaupt etwas an der klassischen japanischen K\u00fcche aussetzen kann, ist es der hohe Anteil an Fisch und Meeresgetier. Die unterschiedlichsten Konsistenzen der Nahrung, von fest \u00fcber gummiartig bis hin zu schleimig sind doch mitunter gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Aber die Pr\u00e4sentation macht es wieder wett. Leider habe ich von diesem Essen keine Fotos, da wir direkt im Kimono zum Futtern geschlurft sind. Apropos, ich werde mich in meinen Essgewohnheiten wieder umstellen m\u00fcssen. In Japan ist schl\u00fcrfen und schmatzen zum einen unvermeidlich (jeder, der mal Udon gegessen hat, kann das best\u00e4tigen), zum anderen gelten sie als Kompliment an den Koch. Selbstverst\u00e4ndlich habe ich ger\u00e4uschintensiv gegessen!<br \/>Jetzt liege ich gerade faul auf dem Bett in unserem Zimmer, das w\u00e4hrend dem Essen f\u00fcrs Schlafen umgebaut wurde. W\u00e4hrend unserer Mahlzeit hat das Ehepaar, dem wir bei der Ankunft begegnet sind, \u00fcber die Bedienung anfragen lassen, wann wir Morgen gerne abreisen w\u00fcrden. Das muss man sich mal vorstellen: Die machen einen romantischen Ausflug, und fragen drei wildfremde Kerle, wann sie gerne abreisen w\u00fcrden, damit sie uns zu unserer Wunschzeit zum n\u00e4chsten Bahnhof mitnehmen (und da reden wir von 120 km &#8230;.).  Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Japaner ist wirklich bemerkenswert, auch wenn uns hier wieder der Doitsu-Jin Bonus geholfen hat. Wir haben uns schon mal die Adresse geben lassen, und werden uns angemessen mit einem bayrischen Bierkrug revanchieren.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Onsen_Night-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Onsen_Night-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5192750307534994754\" \/><\/a><br \/><i>Das Onsen bei Nacht. Mehr sog I net.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">So gerne ich hier auch mit meiner Kamera die Tempel unsicher mache, war dieser Tag ein echter Urlaubstag, denn unsere einzige Aufgabe war es, vom heissen Badewasser zum Essen zu kommen, danach in unsere weichen Betten zu fallen und dort noch einmal die Willenskraft aufzubringen, seine Knochen auf den Balkon zu bringen, um dort den Tag mit Blick aufs Meer bei einem letzten Bad ausklingen zu lassen&#8230;<\/div>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem weiteren stressigen Sightseeing Tag (langsam habe selbst ich genug Tempel und Pal\u00e4ste gesehen) haben wir heute unser wohl absolutes Japan-Highlight: Eine \u00dcbernachtung in einem traditionellen Onsen. Im Endeffekt ist es auch ein Ryokan, also eine japanische Herberge, nur mit wesentlich edlerem Ambiente und einer perfekten Badelandschaft. Das Onsen bei Tag. 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