{"id":510,"date":"2008-04-27T18:07:00","date_gmt":"2008-04-27T17:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/eine-der-drei-heiligen-landschaften-japans-miyajima\/"},"modified":"2008-04-27T18:07:00","modified_gmt":"2008-04-27T17:07:00","slug":"eine-der-drei-heiligen-landschaften-japans-miyajima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/?p=510","title":{"rendered":"Eine der drei heiligen Landschaften Japans &#8211; Miyajima"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size:85%; font-family:arial;\"><\/p>\n<div align=\"justify\">Es ist kurz nach Mitternacht, und ich vertreibe mir das Warten auf den Trockner mit dem Sichten der heutigen Fotos. Die M\u00fcnzwaschmaschinen hier wurden wohl einzig und allein zu dem Zweck geschaffen, Gaijin zu \u00e4rgern. Egal was ich versuche, ich bekomme bestenfalls den Schweiss- und Zigarettengeruch raus, den man hier schnell in den Klamotten hat. Bereits bei einfachsten Flecken kapitulieren diese rumpelnden H\u00f6llenmaschinen, und ich kann zwei Hemden und ein T-Shirt inzwischen nicht mehr tragen. Die Trockner sorgen dann daf\u00fcr, dass die hartn\u00e4ckigen Kleckse in das Gewebe eingebrannt werden, denn mit japanischer Gr\u00fcndlichkeit wird der Stoff bei gesch\u00e4tzten 1200\u00b0 Celsius ger\u00f6stet. Immerhin, so sieht man mal Brandflecken nach einem Trockengang. Davon abgesehen wallt gerade die Schreiblust in meinen Adern. Wenn einen die Muse k\u00fcsst, sollte man nicht auf die Uhr schauen. Da werden Frauen schnell unangenehm.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Anfahrt_Faehre-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Anfahrt_Faehre-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973183508414706\" \/><\/a><br \/><i>Der Blick auf die Insel Miyajima von der F\u00e4hre aus. Das Wahrzeichen, ein 16 Meter hohes Tori-Gate ist sch\u00f6n zu sehen, und wie ich sp\u00e4ter herausfinden sollte, war gerade Flut.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Nach der schwereren Kost gestern brauchte die Seele etwas Balsam, und so suchten wir die Insel Miyajima auf. Die Insel ist eine der drei ber\u00fchmten K\u00fcstenlandschaften Japans, und sp\u00e4testens, wenn sich die subtropisch bewaldeten H\u00fcgel vor einem erheben, wei\u00df man, wieso die Japaner alle zu diesem Ort pilgern. Direkt nach der Landung konnte man nicht umhin, die gro\u00dfe Warntafel zu bemerken, auf der vor den Rehen gewarnt wird. Ja, ihr habt richtig gelesen, der K\u00fcstenstreifen und die unteren Regionen inklusive der besiedelten Gebiete sind von einer ausgesprochen gelassenen Population von Rehen besiedelt. Diese wirken in der fast schon karibischen Umgebung dieser Insel etwas fehl am Platz, f\u00fchlen sich aber pudelwohl.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Deer_Eating-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Deer_Eating-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973192098349314\" \/><\/a><br \/><i>Die heimlichen Herrscher von Miyajima.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Die Tiere sind von den Menschen komplett unger\u00fchrt, und dank dem strikten F\u00fctterungsverbot (an das sich die Japaner wie an alle anderen Regeln halten)  sind das auch keine aufgedunsenen Kugeln wie die Exemplare in unseren Wildparks. Sie sonnen sich auf den Stra\u00dfen, am Strand, und wenn ein Tourist nicht aufpasst, fressen sie seine Reisekarte. Sie haben auch einen erzieherischen Charakter, da sie kr\u00e4ftig zubei\u00dfen, wenn ein paar gehirnamputierte Eltern zulassen, dass ihre kleinen Monster an den Ohren der Tiere rei\u00dfen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Lion_Statue-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Lion_Statue-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973192098349330\" \/><\/a><br \/><i>Einer der L\u00f6wen, welche die Uferpromande bewachen. Die Rehe f\u00fchlen sich bei ihm sichtlich wohl.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">\u00dcber sein Tempo musste man sich gegen Mittag keine Sorgen machen, da die Besucherstr\u00f6me so dicht sind, dass man automatisch zu den wichtigsten Fotografierpunkten gesp\u00fclt wird.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Tori_Gate_From_Temple-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Tori_Gate_From_Temple-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973196393316642\" \/><\/a><br \/><i>Das Standardfoto vom Tempel aus. Durch die Reflektion auf dem Wasser wirkt es, als ob das Tor schwebt.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Apropos Fotografieren: Wenn die Japaner schon keine Ironie verstehen, das Land tut es. Man hat wirklich atemberaubende Anblicke, aber egal zu welcher Tageszeit oder bei welchem Wetter, es ist immer leicht dunstig, weshalb man statt fantastischer Panoramas vernebelte Aufnahmen bekommt.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/5_Tropical_Landscape-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/5_Tropical_Landscape-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973200688283954\" \/><\/a><br \/><i>Ja, die Linse ist geputzt. Dabei w\u00e4ren die bewaldeten Berge eine Aussicht wie aus dem Katalog.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Da man st\u00e4ndig Leute vor der Kamera hat, bekommt man viele Eindr\u00fccke von den Japanern. \u00dcber das allgemeine Modebewusstsein habe ich schon geschrieben. Gut, die Designer haben es insofern einfach, weil die Frauen alle nahezu gleich gro\u00df und gleich schlank sind. Dicke Japaner sind extrem selten. Ebenfalls gef\u00e4llig ist die Tatsache, dass hier nicht jede zweite Frau mit tief geschnittener Jeans heruml\u00e4uft, \u00fcber deren breitem H\u00fcftg\u00fcrtel der Bauch herausquillt, w\u00e4hrend beim Hocken der halbe Hintern auf Zugluft steht. Nein liebe Damen, das wird auch in hundert Jahren nicht gut aussehen. Fahrt mal nach Tokio und schaut euch an, wie man sich schick anzieht. Wer denkt ich bin hier unn\u00f6tig geh\u00e4ssig, die zwei westlichen Touristinnen die ich gesehen habe, verga\u00dfen beim Zeigen von viel Haut, dass die nicht einer Mondlandschaft gleichen sollte&#8230;<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\">&nbsp;<br \/>&nbsp;<br \/><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/6_Temple_With_Pagoda-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/6_Temple_With_Pagoda-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973853523312962\" \/><\/a><br \/><i>Die Pagode, die ich nicht gefunden habe. N\u00e4her bin ich nicht gekommen, wahrscheinlich haben die das immer abgebaut und versteckt um mich zu \u00e4rgern.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Nach den Pflichtfotos am Strand und einem kurzen Mittagessen zu Touristenpreisen ging es zur Seilbahn. F\u00fcr einen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig saftigen Obulus ging es schwankend den Berg hinauf. Eine sympathische Dame pries die Sch\u00f6nheit der Berge (bei der \u00fcblichen Sichtweite von ca. 200 Metern, gepriesen seiest Du oh klare Luft unserer Alpen), den kulturellen Wert der Tempel auf dem Gipfel, und die Sicherheit der Schlie\u00dff\u00e4cher auf der Bergstation wegen der Affen. Eh Moment mal&#8230; Ich spulte innerlich zur\u00fcck, aber ich hatte schon richtig verstanden: W\u00e4hrend die niederen Regionen der Insel unter den eisernen Hufen  des Dammwilds liegen, werden die Bergh\u00e4nge von Affen beherrscht, die nach ein  paar Generationen Touristen gelernt haben, dass diese gro\u00dfen haarlosen Idioten leckere, ungesicherte Nahrung mit sich f\u00fchren. Deswegen haben sich die Affen darauf spezialisiert, unachtsamen Touristen ihre Rucks\u00e4cke und Taschen zu entrei\u00dfen, um diese anschlie\u00dfend nach Essbarem zu durchforsten.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/7_Apes-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/7_Apes-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973857818280274\" \/><\/a><br \/><i>Die Kamera habe ich sicherheitshalber am G\u00fcrtel festgebunden, aber die Beiden waren gerade mit Lausen besch\u00e4ftigt.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Der Berg, Misen-Yama, ist die Fahrt wirklich wert. In der Gipfelregion befindet sich eine malerische Tempelanlage, die sich um den Schrein des ewigen Feuers verteilt. In diesem Geb\u00e4ude befindet sich ein eiserner Kessel, unter dem ein Feuer aus dicken Holzscheiten schwelt. Direkt nach dem Eintreten bei\u00dft bereits der Rauch in den Lungen, der vom herben Geruch von R\u00e4ucherwerk durchzogen ist. Es ist bis auf die niedrigen Flammen und einige Kerzen dunkel, und die Hitze dr\u00fcckt einen f\u00f6rmlich zu Boden. An der Wand steht eine mit Blattgold umloderte Statue, die den Heiligen darstellt, der angeblich vor 1200 Jahren dieses Feuer entz\u00fcndet hat. Laut den M\u00f6nchen und dem Reisef\u00fchrer brennt das seit der ganzen Zeit, ohne auch nur ein einziges Mal ausgegangen zu sein. Die Flamme, die gasgespeist im Peace Memorial Park Tag und Nacht flackert, wurde mit Feuer von dieser Stelle entfacht.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/8_Temple_Of_Eternal_Fire-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/8_Temple_Of_Eternal_Fire-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973862113247586\" \/><\/a><br \/><i>Der Tempel der ewigen Flamme. Die sollten dort R\u00e4ucherschinken herstellen.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Da sowohl Max und Andi inzwischen nerv\u00f6s auf ihre Uhren linsten \u2013 beide wollen heute nach Tokio zur\u00fcck, ging es in immer schnellerem Marsch Richtung Abstieg. Als ich am dritten sch\u00f6nen Aussichtspunkt vorbeigeschnauft war, stoppte ich die Karawane, \u00fcbergab den Beiden meinen Zimmerschl\u00fcssel, und setzte den Weg mit einem Drittel der vorherigen Geschwindigkeit fort. Ich bin im Alltag ein etwas hektischer Mensch, und der gr\u00f6\u00dfte Luxus, den ich mir g\u00f6nnen kann, ist Ruhe. Und auch wenn ich gesellig bin, ein paar Stunden v\u00f6llig allein durch die Gegend zu stapfen ist f\u00fcr mich ein wahrer Genuss.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/9_Mountain_View-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/9_Mountain_View-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973862113247602\" \/><\/a><br \/><i>Stehen bleiben, tief durch schnaufen, Blick in die Ferne und das leichte Jucken unter dem Skalp f\u00fchlen, wenn der Kopf langsam leer wird.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">So schlurfte ich im Schneckentempo den Berg hinunter. Tapfere Japaner qu\u00e4lten sich schwitzend den Berg hinauf, und ich begr\u00fc\u00dfte alle mit einer Verbeugung und einem heiteren &#8218;Konitchiwa!&#8216;. Die Wanderer waren von dem steilen Weg so fertig, dass sie sich gar nicht mehr Verbeugen mussten, da die Nasen bereits am Boden klebten. Mit einem anfeuernden &#8218;Ganbatte!&#8216; scheuchte ich sie weiter, und nach ein paar Minuten verhallte das Schnaufen dieser gequ\u00e4lten Seelen. Nach einer guten halben Stunde war mein hyperaktives Hirn endlich heruntergefahren. Ein Schritt, ein Atemzug. Stehenbleiben, lauschen. An sich ist ein Spaziergang in einem halbwegs dichten Wald nichts spektakul\u00e4res, denn unter dem Bl\u00e4tterdach gibt es nicht viel Vegetation.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/10_Reflective_Moment-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/10_Reflective_Moment-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193973866408214914\" \/><\/a><br \/><i>Auf einem Felsen sitzen und nichts tun. Es gibt kaum was sch\u00f6neres.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">\u00dcberhaupt, das Wort Sightseeing sagt es bereits: Selbst wenn man keinen Badeurlaub macht, man trabt seine Zielpunkte ab und die Dokumentationsw\u00fctigen haben vom st\u00e4ndigen Halten der Kamera nach zwei Wochen einen Tennisarm. Und vor allem: Man benutzt doch meistens nur die Augen. Ich hatte ja schon erw\u00e4hnt, in einem Wald gibt es nicht viel zu sehen, aber daf\u00fcr wird den anderen Sinnen sehr viel geboten. Das ging mir so durch den Kopf, und ich setzte mich auf den oben abgebildeten Felsen. Probehalber schloss ich die Augen, und konzentrierte mich voll auf die Ohren. Zuerst musste ein bisschen Sortiert werden, dann konnte ich mich Einzelheiten widmen. Das Rauschen der leichten Brise im dichten Bl\u00e4tterdach. Links ein enthusiastischer Singvogel, etwas weiter entfernt und hinter mir das leise Schnattern von Affen. Ein gutes St\u00fcck vorne das Pl\u00e4tschern eines Baches. Der Vogel hat inzwischen Konkurrenz bekommen, und es beginnt ein buntes Durcheinander von verschiedenstem Piepsen, Pfeifen und Trillern. Mit ein bisschen Phantasie konnte man sich die Tiere vorstellen und sie so sehen, obwohl ich sie bestimmt nie im Leben mit meinen Augen entdeckt h\u00e4tte.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/11_Mossy_Rock-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/11_Mossy_Rock-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193974377509323154\" \/><\/a><br \/><i>So ein Fels bietet eine ganze Menge, wenn man sich die Zeit nimmt.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Dann noch die Nase dazu: Der Geruch der laubbedeckten Erde, die leicht salzige Luft, das s\u00fc\u00dfliche Aroma der kleinen Bl\u00fcten, die sich hartn\u00e4ckig unter einem Baum bewiesen und das feuchte Moos auf dem Felsen. Die H\u00e4nde tasten sich \u00fcber den Boden, trockenes Laub, das zwischen den Fingern kr\u00fcmelt, der warme, raue Fels, die knorrigen Wurzeln eines Baumes \u2013 und dann muss man die Augen \u00f6ffnen. Wie in Trance erhob ich mich langsam, und schlenderte weiter. Wo ich den Wald vorher nur gesehen hatte, erlebte ich ihn jetzt. Da es langsam Abend wurde, konnte ich den Spaziergang fast eine Stunde lang in diesem vollendeten Zustand genie\u00dfen, bis hinter mir ein r\u00fcstiger Engl\u00e4nder aufholte, dessen lautes &#8218;Hello!&#8216; den Zauber der Ruhe zerst\u00f6rte. Ich murmelte ein &#8218;Hello&#8216; zur\u00fcck und hoffte, dass der Zausel schnell hinter der Ecke verschwinden w\u00fcrde, aber mein langsames Gehen faszinierte ihn offenbar, und er fragte mich, ob mit mir alles in Ordnung sei. Im Nachhinein gesehen glaube ich, dass mein lapidares &#8218;Oh yes, I was just trying to enjoy my walk&#8216; ein wenig unh\u00f6flich war, aber wohl nicht zu sehr, da er hartn\u00e4ckig im 3 Meter Abstand vor mir blieb und begeistert von der Ruhe und Abgeschiedenheit schw\u00e4rmte.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/12_Ebbe-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/12_Ebbe-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193974381804290466\" \/><\/a><br \/><i>Suchbild: Was fehlt? Kleiner Hinweis: Ich hatte v\u00f6llig verschwitzt, dass es so etwas wie Ebbe und Flut gibt.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Insofern war ich auch nicht wirklich traurig, als der Wald sich lichtete und ich wieder am Strand gelandet war. Ich brauchte in meiner neu entdeckten meditativen Langsamkeit ungef\u00e4hr eine Viertelstunde, bis ich ergr\u00fcndet hatte, was die ganze Zeit an mir nagte: W\u00e4hrend der Bergwanderung hatte sich die Ebbe ganze M\u00fche gegeben und eine Menge Land freigegeben. Wo vorher um das gro\u00dfe Tor st\u00e4ndig ein Fischerboot voller Touristen wie ein Haifisch im Kinderbecken kreiste, standen Leute im frischen Schlick und nutzten die Gelegenheit, ein paar Fotos aus der N\u00e4he zu bekommen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/13_Gate_Sunset-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/13_Gate_Sunset-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193974386099257778\" \/><\/a><br \/><i>Danke liebe Gezeiten f\u00fcr dieses sch\u00f6ne kitschige Foto!<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Mit meinen dicken Stiefeln konnte ich herrlich \u00fcber die glitschigen D\u00fcnen stapfen, wo die zarten Halbschuhe der Japaner nicht die beste Gel\u00e4ndetauglichkeit boten. Anschlie\u00dfend setzte ich mich neben ein freundliches Reh, das mir prompt die Tram-Karte aus der Jackentasche fra\u00df, und durfte im Ausgleich den Sonnenuntergang anschauen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/14_Gate_Water_Down-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/14_Gate_Water_Down-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193974394689192386\" \/><\/a><br \/><i>Hier war der Wasserpegel weit genug unten, dass die Japaner endlich ihr &#8218;Ich stehe direkt dran&#8216; Foto machen konnten.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/15_Way_Back-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/15_Way_Back-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5193974398984159698\" \/><\/a><br \/><i>Ein letzter Blick von der F\u00e4hre.<\/i><\/div>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist kurz nach Mitternacht, und ich vertreibe mir das Warten auf den Trockner mit dem Sichten der heutigen Fotos. Die M\u00fcnzwaschmaschinen hier wurden wohl einzig und allein zu dem Zweck geschaffen, Gaijin zu \u00e4rgern. Egal was ich versuche, ich bekomme bestenfalls den Schweiss- und Zigarettengeruch raus, den man hier schnell in den Klamotten hat. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":578,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/510"}],"collection":[{"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=510"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/510\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/578"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=510"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=510"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=510"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}