{"id":509,"date":"2008-04-29T09:50:00","date_gmt":"2008-04-29T08:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/nachtliche-wanderungen-und-mein-tee-mit-dem-abt\/"},"modified":"2008-04-29T09:50:00","modified_gmt":"2008-04-29T08:50:00","slug":"nachtliche-wanderungen-und-mein-tee-mit-dem-abt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/?p=509","title":{"rendered":"N\u00e4chtliche Wanderungen und mein Tee mit dem Abt"},"content":{"rendered":"<p><span><\/p>\n<div align=\"justify\">Da ich gestern Nacht Bilder machen wollte, war die Organisation eines Stativs meine letzte Amtshandlung in Hiroshima. Ich trage inzwischen st\u00e4ndig ein Blatt Papier und einen Stift mit mir, da die Japaner hervorragend in Bilderr\u00e4tseln sind. Ich zeichne zwar katastrophal, aber Kanjis sind im Endeffekt stark vereinfachte Piktogramme, und meine Zeichnung eines Stativs verstanden die Damen im Kaufhaus auf Anhieb. Leider gab es dort aber nur Kleidung, also\u00a0wurde ich zwei Kilometer weiter zu einem Kameragesch\u00e4ft geschickt.<br \/>Die Sonne leistete mir Gesellschaft, und dank der winzigen Schlie\u00dff\u00e4cher am Bahnhof wankte ich mit meinen 12 Kilo Gep\u00e4ck insgesamt 4 Kilometer neben einer dicht befahrenen Stra\u00dfe und schnupperte den Duft der Abgase w\u00e4hrend ich im eigenen Saft gebraten wurde. Bis ich endlich im Zug nach Shin-Osaka sa\u00df, war es bereits 12. An sich war die zur\u00fcckzulegende Strecke nicht gro\u00df, aber ab Osaka geht nur ein Bummelzug, der sich am Ende eingleisig die Berge hinauf qu\u00e4lt. Bereits nach einer Stunde war ich der einzige Gast im Zug, und es dauerte insgesamt fast drei Stunden, um an die Talstation zu kommen. Von dort geht es mit einem speziellen Gebirgszug eine kurvige Strecke nach oben, die streckenweise \u00fcber 70% Steigung hat. Ich war aber immer noch guter Dinge da im Reisef\u00fchrer die hervorragende Tourist-Information von Koyasan gelobt wird. Oben angekommen fiel der Blick auf ein total verwaistes, winziges Bus-Terminal mit der Beschriftung &#8218;Bus drivers don&#8217;t speak english&#8216; und ein geschlossenes Tourist Information B\u00fcro, auf dem &#8218;We don&#8217;t make any more reservations.&#8216;<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Way_Koyasan-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Way_Koyasan-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194589751833559522\" \/><\/a><br \/><i>Das flache Anfahrtst\u00fcck der letzten Etappe nach Koyasan.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Da ich mir \u00fcber mein Japanisch keine Illusionen mache und an diesem Flecken der Welt so gut wie niemand Englisch spricht, habe ich mich erst einmal entsprechend gefreut. Was macht man bitte, wenn man mitten im Nirgendwo ist, der letzte Zug in 15 Minuten f\u00e4hrt, und die Aussichten auf eine Unterkunft gelinde gesagt mau sind? Nun, ich bin ein sturer Bock und wenn ich Oku no in bei Nacht sehen will, wird das umgesetzt. Entsprechend belagerte ich das arme Bahnhofspersonal mit meinem Zettel und zeichnete und gestikulierte so lange herum, bis ein Angestellter eifrig mit seinem Finger auf eine Bushaltestelle deutete. Ein bisschen schlechtes Gewissen hatte ich schon &#8211; ich wei\u00df,das ich f\u00fcr die armen Leute in meiner Hartn\u00e4ckigkeit anstrengend war, aber ein Japaner w\u00fcrde es NIE wagen, mich zum Teufel zu schicken oder in den Zug zur\u00fcck nach Osaka zu stopfen. Eher wippen sie 2 Stunden auf den Ballen und rufen immer mehr Kollegen hinzu.<br \/>Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt ein zweites Tourist Information B\u00fcro, das geschickt neben der Feuerwache im Ortskern versteckt ist. Da es um 17:30 schlie\u00dft und es bereits kurz nach F\u00fcnf war, sprinteten ich und der Bahnhofsbeamte hinter dem Bus her, der gerade losgefahren war und brachten ihn mit lautem Rufen und Winken zum stehen. Das ist \u00fcbrigens noch ein tolles Ph\u00e4nomen in Japan. W\u00e4hrend die M\u00fcnchner MVV Angestellten ein diebisches Vergn\u00fcgen haben, vor der Nase die T\u00fcren zu schlie\u00dfen und abzurauschen, warten japanische Bus- und Tramfahrer immer, bis alle wohlbehalten an Bord sind. Da wird keiner zur\u00fcck gelassen. Daf\u00fcr fuhr der Bus im Schritttempo winzige Serpentinenstra\u00dfen entlang, die der Phantasie viel Raum f\u00fcr schreckliche Absturz-Szenarien lie\u00dfen. Um 17:29 st\u00fcrmte ich verzweifelt das B\u00fcro und habe doch tats\u00e4chlich noch meine \u00dcbernachtung in einem buddhistischen Tempel bekommen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Temple_Lodging-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Temple_Lodging-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194589756128526834\" \/><\/a><br \/><i>Mein Zimmer im Tempel.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Die M\u00f6nche vor Ort waren so ausgesprochen freundlich, bescheiden und h\u00f6flich, dass ich gar nicht wusste, wie ich sie etwas beruhigen konnte. Mein zugewiesener M\u00f6nch, der f\u00fcr das Zimmer zust\u00e4ndig war, sprach lustiger weise besser Deutsch als Englisch. Im Ausgleich f\u00fcr eine halbe Stunde Deutschunterricht \u00fcbte er mit mir die wichtigsten Mantras f\u00fcr das Morgengebet, an dem ich heute Fr\u00fch teilnehmen durfte. Das war wohl der Eisbrecher, denn danach rannten die M\u00f6nche nicht mehr mit gesenktem Kopf davon, wenn sie mich erblickten, sondern zeigten mir eifrig die Kleinigkeiten, die das t\u00e4gliche Leben in einem solchen Kloster ausmachen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Dinner-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Dinner-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194589756128526850\" \/><\/a><br \/><i>Das buddhistische vegetarische Abendessen. Ein M\u00f6nch leistete mir Gesellschaft.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Vom Abendessen frisch gest\u00e4rkt und mit dem Stativ in der Tasche marschierte ich los, um den gr\u00f6\u00dften buddhistischen Friedhof Japans bei Nacht zu erkunden. Koyasan selbst ist ein charmantes kleines St\u00e4dtchen, das nur zwei Arten von H\u00e4usern kennt: Tempel und Souvenirshops. Um diese Uhrzeit ist kein Mensch mehr unterwegs, die Bordsteine hochgeklappt und so hatte ich alles f\u00fcr mich allein.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Temple_at_Night-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Temple_at_Night-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194589764718461458\" \/><\/a><br \/><i>Einer der Tempel in Koyasan bei Nacht.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Auf dem Weg \u00fcbte ich flei\u00dfig mit meinem Stativ, bis ich es mit milit\u00e4rischer Pr\u00e4zision in wenigen Sekunden auf- und abbauen konnte. Endlich wurde die Besiedlung d\u00fcnner, und von m\u00e4chtigen B\u00e4umen flankiert wand sich ein steinerner, von Laternen ges\u00e4umter Weg. Leider sollte sich herausstellen, dass das Licht zwar sehr stimmungsvoll war, aber nicht zum Fotografieren ausreichte. Nur an wenigen Stellen, an denen man gr\u00f6\u00dfere Lampen befestigt hatte, konnte man zumindest Schemen aufnehmen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/5_Near_Okunoin-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/5_Near_Okunoin-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194589764718461474\" \/><\/a><br \/><i>Ein kleiner Tempel, der kurz vor dem Eingang von Oku no in steht.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">In Oku no in gibt es zwei Wege, von denen ich auf dem Hinweg nat\u00fcrlich den falschen w\u00e4hlte: Im Abstand von 20 Metern hat die lokale Verwaltung Stra\u00dfenbeleuchtung installiert, wohl um die armen Touristen davor zu sch\u00fctzen, ihre Zehen im Dunkeln an einem Baum zu sto\u00dfen. Dementsprechend wollte sich der mystische Zauber dieses Ortes nicht so recht entfalten, da das kalte, helle Neonlicht nicht viel Raum f\u00fcr Phantasie lie\u00df. Im Rahmen des Programms f\u00fcr ung\u00fcnstiges Timing &#8211; in Hiroshima w\u00e4re ab Samstag z.B. ein Blumenfestival, das ich wie vieles hier knapp verpasse &#8211; war der Himmel zwar Wolkenlos, aber auch Neumond. Dabei hatte ich mir das schon so malerisch ausgedacht: Ein paar kleine Wolken am Himmel, der volle Mond, der die Landschaft in silbernes Licht taucht&#8230;<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/6_Cherry_tree_Night-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/6_Cherry_tree_Night-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194590988784140850\" \/><\/a><br \/><i>Den widerw\u00e4rtigen Stra\u00dfenleuchten zum Trotz gab es ein paar Winkel, in denen ein sch\u00f6n ausgeleuchtetes Motiv gab.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Die Nekropolis von Oku no in ist wirklich riesig. Sie umfasst \u00fcber 500.000 Gr\u00e4ber, die teils chaotisch gestapelt wirken, manchmal aber auch prachtvolle Mausoleen waren. Solch weitl\u00e4ufige Anlagen haben einen ganz banalen Nachteil: Man muss erhebliche Strecken zur\u00fccklegen. Da ich im Tempel viel gr\u00fcnen Tee zumAbendessen getrunken hatte, und zus\u00e4tzlich die tolle Idee hatte,mir vor dem Abmarsch noch eine gro\u00dfe Flasche Wasser zu genehmigen, begann allm\u00e4hlich die Blase zu dr\u00fccken. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter nahm ich schon kaum mehr etwas von den riesigen B\u00e4umen war, zwischen deren gewaltigen St\u00e4mmen die unz\u00e4hligen Grabsteine standen, da aus dem leichten Druck ein ziehender Schmerz geworden war. Normal gibt es gerade f\u00fcr einen Mann nie Schwierigkeiten, sich Erleichterung zu verschaffen, aber auf einem heiligen Friedhof einen der geweihten B\u00e4ume zu w\u00e4ssern wollte ich unbedingt vermeiden. Die folgenden Kilometer wurden zu einer echten Qual. Wie es sich f\u00fcr einen kulturell wertvollen Friedhof geh\u00f6rt, gab es unz\u00e4hlige Brunnen und Wasserspiele. Ein kleiner Bach, dessen malerisches Rauschen ich sonst gepriesen h\u00e4tte, erweiterte das sadistische Konzert aus Pl\u00e4tschern, Gurgeln und Tr\u00f6pfeln. Man kann sich sicherlich vorstellen, wie sich eine solche Ger\u00e4uschkulisse auswirkt, wenn die Blase auf Melonengr\u00f6\u00dfe angeschwollen ist.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/7_Okunoin_Night-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/7_Okunoin_Night-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194590997374075458\" \/><\/a><br \/><i>Oku no in bei Nacht. An dieser Stelle h\u00e4tte ich meinen Fotoapparat sofort gegen ein Klo getauscht.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Was fehlt noch zum Ger\u00e4usch von laufendem Wasser? Richtig, eine laue Brise, die einen streicht und die Bl\u00e4tter zum Rascheln bringt. Die B\u00e4ume faszinierten mich nicht mehr wegen ihrer H\u00f6he oder ihrem Alter, sondern lockten mich, doch endlich der Qual ein Ende zu bereiten. Wille \u00fcber Materie, Wille \u00fcber Materie, Wille \u00fcber Materie&#8230; mit diesem Mantra schleppte ich mich Schritt f\u00fcr Schritt an den sirenenhaften Baumst\u00e4mmen vorbei. Doch da: Wie in einem Glorienschein, eine Offenbarung von allem, das in dieser Welt gut ist, entdeckte ich das Schild am Wegesrand: Toilet. Mit einem markersch\u00fctternden Triumpfgeheul st\u00fcrmte ich an einem konsternierten \u00e4lteren Japaner vorbei, der gerade den Ort meiner Begierde verlassen hatte, und fand in den folgenden f\u00fcnf Minuten eine gl\u00fcckliche Leere, f\u00fcr die ein Buddhist jahrelang meditieren muss.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/8_Way_To_Mausoleum-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/8_Way_To_Mausoleum-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194595472729997954\" \/><\/a><i>Der Weg zum Mausoleum des kosmischen Buddha. Ich war meinem pers\u00f6nlichen Nirvana schon sehr nahe.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Wie sich zeigen sollte, markierte dieses stille \u00d6rtchen den Wendepunkt meiner Wanderung: ein kurzes St\u00fcck weiter begann der schmale Pfad zum Mausoleum des kosmischen Buddhas, v\u00f6llig ohne Leuchtstoffr\u00f6hren. Im d\u00e4mmrigen Licht der Laternen, die den Weg s\u00e4umten (aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund leider unfotografierbar) wand sich der Weg zwischen den m\u00e4chtigen St\u00e4mmen der Pinien den Berg hinauf. Merkw\u00fcrdige Tierrufe, Pfiffe und schnattern verliehen der Nacht einen friedlichen Gesang. Auch der R\u00fcckweg war komplett ohne diese abscheulicheBeleuchtung, und ich konnte so richtig in diese geheimnisvolle Welt abtauchen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/9_Night_shrine-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/9_Night_shrine-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194591001669042786\" \/><\/a><br \/><i>Eine Grabst\u00e4tte bei Nacht.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Heute Morgen hie\u00df es dann um 5:30 aufstehen, da ich an der Morgenzeremonie um 6 teilnehmen wollte. Als Gast durfte man auf kleinen Hockern sitzen, was man sehr zu sch\u00e4tzen wei\u00df, wenn man in Japan mal zwei Stunden am Boden kauern musste. Das fr\u00fche Aufstehen hat sich gelohnt, denn die Zeremonie war ein tolles Erlebnis. Die M\u00f6nche sa\u00dfen im Kreis und brummten ihre Mantras, w\u00e4hrend ein Zeremonienmeister fachkundig ein Feuer entfachte und immer wieder mit einer kleinen Kelle neue Kr\u00e4uter in die Flammen warf. Die Hitze, der Duft der Kr\u00e4uter und der sonore Gesang der M\u00f6nche vermischten sich, und der ganze Stress, alle Gedanken, Unsicherheiten und Sorgen l\u00f6sten sich darin auf. Abgeschlossen wurde die Zeremonie mit einem Teeopfer, bei dem die G\u00e4ste der Reihe nach eine Tasse Tee f\u00fcr den Buddha aufstellen durften. Im Anschluss lud der Abt ein paar der G\u00e4ste, darunter mich, zum Tee ein. Wir wurden in ein winziges Teehaus mit Blick auf den Garten gef\u00fchrt, und schl\u00fcrften mit dem geistigen F\u00fchrer des Klosters k\u00f6stlichen Tee, zu dem uns S\u00fc\u00dfigkeiten gereicht wurden. Der alte Mann erwies sich als lebenslustige Person mit einer guten Portion Humor, und er befragte jeden nach seiner Reise, seinen Zielen, und erteilte gute Ratschl\u00e4ge,w\u00e4hrend er eine uralte Katze auf seine Schoss hatte, die alle M\u00f6nche mit ausgesuchter Zuneigung behandelten. Ein M\u00f6nch, der exzellent Deutsch, Englisch und Franz\u00f6sisch sprach, sorgte f\u00fcr eine reibungslose Unterhaltung, und es wurde viel gelacht und gescherzt. Schweren Herzens verabschiedete ich mich schlie\u00dflich von den M\u00f6nchen, und reise als n\u00e4chstes nach Nara, um dort das gr\u00f6\u00dfte Holzgeb\u00e4ude der Welt zu bestaunen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/10_Jinzo_Statue-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/10_Jinzo_Statue-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5194595477024965266\" \/><\/a><i>Noch ein paar Jinzo Statuen.<\/i><\/div>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da ich gestern Nacht Bilder machen wollte, war die Organisation eines Stativs meine letzte Amtshandlung in Hiroshima. Ich trage inzwischen st\u00e4ndig ein Blatt Papier und einen Stift mit mir, da die Japaner hervorragend in Bilderr\u00e4tseln sind. 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