{"id":508,"date":"2008-04-29T14:00:00","date_gmt":"2008-04-29T13:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/nara-am-nationalfeiertag\/"},"modified":"2008-04-29T14:00:00","modified_gmt":"2008-04-29T13:00:00","slug":"nara-am-nationalfeiertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanwiedenmann.eu\/?p=508","title":{"rendered":"Nara am Nationalfeiertag"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size:85%; font-family:arial;\"><\/p>\n<div align=\"justify\">Nach meinem Fr\u00fchst\u00fcckstee im Kloster f\u00fchlte ich mich ausgeruht und f\u00fcr den folgenden Tag gewappnet. Die Wahl der Route erwies sich als sinnvoll, da Nara ein perfektes Ziel f\u00fcr einen Tagesausflug ist: Die attraktiven Sehensw\u00fcrdigkeiten sind nahezu alle auf den gro\u00dfen Park konzentriert, den man an einem verl\u00e4ngertem Nachmittag inklusive einer 3-St\u00fcndigen Tour auf den Berg absolvieren kann, dessen Name mir gerade nicht einfallen will. Der Bahnhof von Nara ist ein abscheulicher Bunker, der einen ernsthaft zweifeln l\u00e4sst, ob man wirklich bei dieser Stadt angelangt ist, die sich bei den Japanern h\u00f6chster Beliebtheit erfreut.<br \/>Auch das Bahnhofsviertel, in dem ich mein Quartier bezog, gl\u00e4nzt durch h\u00e4ssliche Betonkl\u00f6tze. Schon etwas ern\u00fcchtert bog ich in die Sanjo-Dori ein, welche mir die Dame vom Tourismusb\u00fcro am Bahnhof empfohlen hatte, und schluckte erst einmal: Die breite Allee war von Menschenmassen geradezu \u00fcberschwemmt. So presste ich mich bei gl\u00fchender Hitze \u00fcber 2 Kilometer durch das wimmelnde Chaos &#8211; in Jacke und Pullover, die ich am Morgen in der frischen Bergluft angezogen hatte. Zur Belohnung erreichte ich endlich den Stadtpark, in dem geballt alles steht, was man in Nara gesehen haben sollte.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Turtles_of_Nara-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/1_Turtles_of_Nara-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340061145334434\" \/><\/a><br \/><i>Schildkr\u00f6ten im kleinen See vor dem Stadtpark. Wen \u00fcbrigens einmal eine Schildkr\u00f6te verfolgt hat, der wei\u00df, dass sie ihr Ziel unerbittlich verfolgen, und einem sehr schmerzhaft in die Zehen zwicken.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Gleich zu Beginn steht sozusagen als Wegweiser eine imposante, 5-St\u00f6ckige Pagode. Ich muss zugeben, dass ich meistens zu faul bin, mir die Jahreszahlen, den Erbauer und solche Dinge zu merken. Ich erfreue mich an der Form der Bauten und am\u00fcsiere mich immer dar\u00fcber, wie die Japaner an fotogenen Stellen Schlangen bilden, damit jeder sein Bild aus dem perfekten Blickwinkel hat. Ich stehe meistens entweder zwei Meter weiter links und nehme das unversch\u00e4mt  andere Foto in Kauf, oder stelle mich einfach dahinter, weil ich in Kopfh\u00f6he meistens freie Sicht habe.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Pagoda-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/2_Pagoda-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340065440301746\" \/><\/a><br \/><i>Interessant an Pagoden ist, dass das Grundger\u00fcst aus den Balken nicht fest verstrebt, sondern wie Mikadost\u00e4bchen gestapelt ist. Dadurch sind diese Geb\u00e4ude sehr flexibel und \u00fcberstehen Erdbeben meist unbeschadet.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Auch in Nara gibt es Hirsche (Rehe, Dammwild, was wei\u00df ich, ich bin kein Botaniker), die aber v\u00f6llig anders sind als die Herrscher von Miyajima: Nicht nur, dass es kein F\u00fctterungsverbot gibt, nein, an jeder Ecke werden besondere Kekse verkauft, die man an die Tiere verf\u00fcttert. Das Wild ist zwar genauso zutraulich wie das auf der Insel, aber sonst sehr langweilig im Verhalten. Die braun\u00e4ugigen Bettler lungern an den Wegen herum und warten darauf, dass ihnen ein Keks in den Mund gesteckt wird. Von der leicht zynischen, l\u00e4ssigen Art ihrer Kollegen ist da nichts mehr \u00fcbrig.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Nara_deer-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/3_Nara_deer-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340069735269058\" \/><\/a><br \/><i>Ich habe mich bewusst geweigert, die Tiere zu f\u00fcttern. Damit war ich leider der einzige.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Nach einem schattigen Spaziergang durch den Park erreichte ich den Todaji-in Tempel, der das gr\u00f6\u00dfte Holzgeb\u00e4ude der Welt ist, den gr\u00f6\u00dften Buddha der Welt (16m hoch, satte 437 Tonnen Bronze) hat und der entsprechend von Touristen best\u00fcrmt wird.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Stuffed_Street-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/4_Stuffed_Street-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340074030236370\" \/><\/a><br \/><i>Die Stra\u00dfe zum Tempel. Unz\u00e4hlige Souvenirst\u00e4nde und viele, viele Leute. Wenn man wie eine Sardine eingequetscht die Stra\u00dfe entlang gesp\u00fclt wird, w\u00fcrde man sich am liebsten den Weg mit einem Flammenwerfer bahnen.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Dummerweise hatte ich vergessen, das am 29.04. ein nationaler Feiertag in Japan ist, und deswegen ein entsprechender Andrang herrschte. Auf der anderen Seite ist das auch eine sehr spezielle Erfahrung. An dieser Stelle m\u00f6chte ich einmal ausgesprochen die Sicherheit in Japan loben. In den meisten L\u00e4ndern w\u00fcrde es an solchen Orten vor Taschendieben nur so wimmeln, hier aber geben sich alle h\u00f6chste M\u00fche, einander nicht anzurempeln. Im Gegenteil, ein Japaner rannte hinter einem Touristen her, entschuldigte sich mit zig Verbeugungen f\u00fcr die St\u00f6rung, und \u00fcberreichte ihm die prall gef\u00fcllte Geldb\u00f6rse, die er an einem Stand verloren hatte.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/5_Todaji_Frontgate-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/5_Todaji_Frontgate-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340074030236386\" \/><\/a><br \/><i>Nein, das ist nicht das gr\u00f6\u00dfte Holzgeb\u00e4ude der Welt. Das ist nur das Tor davor.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Trotz des Gewimmels nahm ich mir jede Menge Zeit, um das wirklich eindrucksvolle Geb\u00e4ude des Todaji-in auf mich wirken zu lassen. Man kommt sich wahrhaftig winzig vor.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/6_Daibutsu_Hall_Approach-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/6_Daibutsu_Hall_Approach-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340868599186162\" \/><\/a><br \/><i>Geradeaus: Die Daibutsu-den, das gr\u00f6\u00dfte Holzgeb\u00e4ude der Welt. Die vielen Leute  fand ich hier ganz praktisch, so kommen die Ausma\u00dfe besser zur Geltung.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/7_Daibutsu_Hall-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/7_Daibutsu_Hall-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340868599186178\" \/><\/a><br \/><i>Und noch einmal von links, die kleinen Kleckse sind die Touristen.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Ab dem Eingangsbereich wurde der Andrang gl\u00fccklicherweise etwas geringer, da meisten Japaner einen Schuss machen, und sofort weitergehen. Der Daibutsu in Kamakura war schon eindrucksvoll, aber hier spielte definitiv die Oberliga. In der gewaltigen Halle befindet sich nicht nur der gro\u00dfe Buddha, sondern auch noch zwei goldene Statuen, die zu seiner Linken und seiner Rechten sitzen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/8_Daibutsu_Nara-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/8_Daibutsu_Nara-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340872894153490\" \/><\/a><br \/><i>Der gro\u00dfe Buddha von Nara, Weltrekordhalter und etwas zerstreut &#8211; er hat schon  diverse Male seinen Kopf bei Erdbeben verloren. Auf der goldenen Scheibe befinden sich weitere Buddhas.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/9_Left_Statue-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/9_Left_Statue-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340872894153506\" \/><\/a><br \/><i>Sein Begleiter zu seiner Linken. Hei\u00dft&#8230; \u00e4h&#8230; gro\u00dfer linker goldener Buddha?<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/10_Right_Statue-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/10_Right_Statue-337x450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195340877189120818\" \/><\/a><br \/><i>Der rechte Begleiter. Die hochinteressante Geschichte zu dieser Gottheit\/erleuchteten Wesenheit kenne ich auch nicht.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Au\u00dferhalb der Halle sitzt noch einer der 16 (oder waren es 12 oder 14?) Apostel von Buddha, dem gro\u00dfe okkulte Kr\u00e4fte nachgesagt werden. Angeblich reibt man eine Stelle an ihm, und danach den gleiche Fleck an sich selbst, und die Beschwerden am entsprechenden K\u00f6rperteil verschwinden. Ich versuche mir gerade nicht vorzustellen wie das bei Potenzproblemen aussieht. Da mich gerade mein R\u00fccken plagte, rubbelte ich seinen R\u00fccken, zog mir einen Schiefer ein, biss die Z\u00e4hne zusammen, rieb meinen R\u00fccken, und glaubt es oder nicht, schlagartig waren die Schmerzen im Kreuz wie weggeblasen. Verdutzt und \u00fcbergl\u00fccklich ging ich drei Schritte und saugte am Finger, in dem jetzt ein St\u00fcck der Statue steckte. Diese Distanz war leider genau die Dauer meiner wundersamen Heilung, weshalb ich den Verdacht habe, dass die wohltuende Wirkung genau so lang anh\u00e4lt wie das Rubbeln.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/11_Heal_Buddha-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/11_Heal_Buddha-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195341306685850434\" \/><\/a><br \/><i>Die medizinischen Kr\u00e4fte dieser Statue gibt es tats\u00e4chlich, leider ist es zu unpraktisch, das Teil st\u00e4ndig mit sich herum zu tragen.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Danach streunerte ich noch an ein paar Tempeln vorbei. Da ich inzwischen ziemlich verw\u00f6hnt bin, war ich schnell ges\u00e4ttigt und begann den Aufstieg auf den Berg Kasagu-Irgendwas (ich bin heute nicht gut mit Namen).<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/12_Nearly_on_top-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/12_Nearly_on_top-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195341315275785042\" \/><\/a><br \/><i>Es war hei\u00df, ich habe elendig geschwitzt, aber trotzdem eine tolle Wanderung.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/13_Mountaintop_view-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/13_Mountaintop_view-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195341315275785058\" \/><\/a><br \/><i>Geschafft! Diesen Ausblick hat man vom Gipfel des Berges.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Bemerkenswert am Aufstieg war die freie Aussicht. Die meisten Berge in Japan sind dicht bewaldet, und zwar nicht mit dieser laschen westlichen &#8218;Ab und zu eine Lichtung mit Ausblick&#8216; Attit\u00fcde, sondern konsequent vom Start bis zum Ziel dichtes Bl\u00e4tterwerk. Die Temperatur war mit gut 20\u00b0 perfekt, und ich marschierte beschwingt den Pfad entlang. Gute hundert Meter hinter mir wanderte eine japanische Gro\u00dffamilie, die vergn\u00fcgt Wanderlieder tr\u00e4llerte. Vom Knirps bis zur Oma, die ab der H\u00fcfte um 90\u00b0 nach vorne geklappt war, legten alle ein strammes Tempo vor, das meinen weit ausholenden Gaijin-Schritten ebenb\u00fcrtig war. Von der guten Laune angesteckt brummte ich leise die Melodien der Familie mit. Das ist so ein Kreuz mit mir: Musik l\u00e4sst bei l\u00e4ngerer Einwirkung ein paar Sicherungen durchbrennen, und als letztendlich der Rhythmus im Blut kochte, schnappte ich mir zwei St\u00f6cke und begleitete den Gesang mit meinem improvisierten Instrument. Nun, man ist als Gaijin eh ein unergr\u00fcndliches Mysterium, weshalb die Familie lachte und weitermachte.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/14_Rowman_part_1-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/14_Rowman_part_1-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195341319570752370\" \/><\/a><br \/><i>Der unglaubliche Rowman und sein Sidekick, &#8218;Ich-k\u00f6nnte-im-Boden-versinken&#8216; Girl.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Auf dem R\u00fcckweg nahm ich noch einen kleinen See mit, und wurde mit einer lustigen Geschichte belohnt. F\u00fcr romantisch veranlagte Naturen wurden Ruderboote verliehen, und ein junger Japaner wollte seiner Freundin wohl ein wenig imponieren. Leider hat er in seinem Leben noch kein Ruderboot gesehen, und stocherte verzweifelt mit den Rudern im Wasser. Der Bootsverleiher gab sein bestes, die richtige Technik (vor allem das Heben des Ruders aus dem Wasser) zu vermitteln, aber unser junger Held war lernresistent.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/15_Rowman_Part_2-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/15_Rowman_Part_2-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195341319570752386\" \/><\/a><br \/><i>Der Bootsverleiher versucht es nun direkt am Boot, Rowman zu erkl\u00e4ren, dass man das Ruder aus dem Wasser heben muss. Man beachte die Freundin, die sich vor Scham den Hut \u00fcber den Kopf zieht.<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Nach zehn Minuten gestand der junge Mann seine Niederlage ein, setzte sich auf die R\u00fcckbank, und lie\u00df seine Freundin die Arbeit machen.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/16_Rowman_Part_3-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/16_Rowman_Part_3-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195341684642972562\" \/><\/a><br \/><i>So beeindruckt man eine Frau&#8230;<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Erheitert erkundete ich noch ein wenig den Park, und passierte auf dem R\u00fcckweg eine Konditorei, bei der Publikumswirksam die bekannteste japanische S\u00fc\u00dfigkeit hergestellt wurde. Es handelt sich dabei um Reis, den man zu einer elastischen Masse drischt, Diese wird mit einer Paste aus sehr s\u00fc\u00dfen Bohnen gef\u00fcllt. Hier wurde es noch traditionell gemacht: Zwei M\u00e4nner droschen mit riesigen H\u00e4mmern abwechselnd in den Trog, der die Masse enthielt, und br\u00fcllten dabei laut: &#8222;Hai!&#8220; &#8222;Dozooo!&#8220; &#8222;Hai!&#8220; &#8222;Dozooo!&#8220;.<\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"center\"><a href=\"http:\/\/stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/17_SweetsMasters-1-1.jpg\"><img decoding=\"async\" style=\"display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;\" src=\"http:\/\/www.stefanwiedenmann.eu\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/17_SweetsMasters-450x337.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"id=\"BLOGGER_PHOTO_ID_5195341688937939874\" \/><\/a><br \/><i>Zwei M\u00e4nner bei der Herstellung der beliebtesten japanischen S\u00fc\u00dfigkeit. Filigranste Konfiserie!<\/i><\/div>\n<p><\/p>\n<div align=\"justify\">Abends trieb mich der Hunger &#8211; leider ohne Fotoapparat &#8211; aus dem Hotel. Das japanische Essen wird fein, aber mild gew\u00fcrzt, und ich hatte starkes Verlagen nach etwas Scharfem. Nara ist nach Einbruch der Nacht wie leer gefegt, aber an einer Ecke fand ich dann doch eine japanische Currybude. Japanisches Curry ist um einiges dunkler als Indisches, und wird mit einer Vielzahl an Beilagen angeboten. Nat\u00fcrlich darf nie der gekochte Reis fehlen. Eine Mahlzeit ist nur dann ein Essen, wenn der Reis, Gohan genannt dabei ist. Deswegen ist in den W\u00f6rtern f\u00fcr die Mahlzeiten stets dieses Wort enthalten. Ein Beispiel ist Hiru-gohan, das Wort f\u00fcr Mittagessen. <br \/>Das Men\u00fc in dem Restaurant las sich wie eine Anleitung zu einem Videospiel, denn die Sch\u00e4rfe des Currys konnte von Level 1-5 frei gew\u00e4hlt werden. F\u00fcr Absolventen des Level 5 Currys wurden noch Level 6-10 angeboten. Diese werden jedoch nur serviert, wenn man ein Level 5 Curry gegessen hat. Im Vertrauen auf meinen feuerfesten Gaumen orderte ich ein Muschelcurry mit einem zus\u00e4tzlichen Tonkatsu (eine Art paniertes Schnitzel), Level 5. Der Koch zog die Augenbraue hoch, wedelte mit den H\u00e4nden, hechelte und sagte &#8218;Vely vely hot!&#8216;. Ich nickte zackig und bat ihn, seines Amtes zu walten. Kurz darauf stand das dampfende, duftende Gericht mit der dunkelbraunen So\u00dfe vor mir. Ich schaufelte den ersten L\u00f6ffel unbedarft in mich hinein &#8211; wenn ein Japaner scharf sagt, ist das an der indischen K\u00fcche gemessen mild &#8211; und keuchte kurz, als mir die Tr\u00e4nen in die Augen schossen. Das Zeug war w\u00fcrdige Level 5 W\u00fcrze, und heizte ordentlich ein. Nun gewarnt a\u00df ich bed\u00e4chtig das exzellente Curry, w\u00e4hrend der Koch immer wieder in meine Richtung schielte, um Notfalls einen Arzt zu rufen. Am Ende hatte ich eine rote Birne, aber nun war meine Neugier geweckt. <br \/>Mit dem \u00fcblichen Tanz der tausend H\u00e4nde vereinbarte ich mit dem Koch einen Probeteller, auf dem ein Klecks Curry von Level 6 bis Level 10 samt einer guten Portion Reis war. Bei Sch\u00e4rfe ist ein festes, neutrales Gericht zum Neutralisieren extrem wichtig. Mit einem Grinsen stellte der Koch den Teller mit den immer dunkler werdenden Portionen hin. Ich schob vorsichtig den L\u00f6ffel in Level 6, nahm eine Portion Reis dazu, und kostete die Mischung. Im Kontrast empfand ich bereits Level 5 als harmlos, und die Schweissperlen quollen auf die Stirn, w\u00e4hrend das Rot in meinem Gesicht eine tiefere Schattierung annahm.<br \/>Level 7, inzwischen linsten auch die Bedienungen neugierig in meine Richtung, verteilte sich wie Lava in meinem Mund und sengte \u00fcber meine Geschmacksknospen. Ich f\u00fchlte mich allm\u00e4hlich wie ein menschliches Fieberthermometer. Level 8 war bereits so scharf, dass ich die dreifache Menge Reis ben\u00f6tigte, und trotzdem eine Minute hechelte. Aufgegeben habe ich bei Level 9. Von Geschmack konnte man bei diesem fl\u00fcssigen Feuer nicht mehr reden, ich erwartete jeden Moment, dass sich Brandblasen auf der Zunge bilden. Mein Gesicht war inzwischen tief dunkelrot, und ich musste erst ein gro\u00dfes Glas Milch trinken, bis ich \u00fcberhaupt wieder ein Wort sagen konnte. Mit einem angenehmen Feuer im Bauch machte ich mich auf den Weg ins Bett, wo ich herrlich schlief. Jetzt sitze ich im Zug nach Tokyo &#8211; aufgrund der langen Strecke habe ich viel Zeit zum Schreiben, deswegen ist es heute auch wieder etwas textlastig. Von dort geht es zur letzten Station, die Stadt Nikko, die f\u00fcr ihren Nationalpark und die pr\u00e4chtigen Mausoleen ber\u00fchmt ist.<\/div>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach meinem Fr\u00fchst\u00fcckstee im Kloster f\u00fchlte ich mich ausgeruht und f\u00fcr den folgenden Tag gewappnet. 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